Unser Museum für Handwerk und Postgeschichte
Am 30. Juli 1999 konnte der "Förderkreis Iserlohner Museen e.V." -FIM- im Herzen von Iserlohns Altstadt sein neues Museum eröffnen und damit die Darstellung der Handwerks- und Postgeschichte Iserlohns verwirklichen, was in bisher bestehenden örtlichen Museen nicht möglich war. Seit seiner Gründung hatte es der Förderkreis als seine Aufgabe angesehen, denkmalwerte Objekte, museale Einrichtungen und Archive zu fördern. Beispielhaft seien genannt:
Daneben sei auf zahlreiche Veröffentlichungen des Förderkreises hingewiesen (neben speziellen Schriften zu besonderen Themen der Heimat- und Kulturgeschichte) allein 15 Jahrbücher mit Beiträgen über Forschungsgebiete, die weit über die engere Region hinaus, beachtliche Anerkennung in Bildungs- und Forschungskreisen des In- und Auslandes fanden.
Ein lang gehegter Plan wird Wirklichkeit
Bereits die Gründer des FIM hatten zu Beginn der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts den Gedanken entwickelt, baldmöglichst ein eigenständiges Museum des Förderkreises einzurichten, da bis dahin keine ernsthaft zu nennende Darstellung der Iserlohner Handwerks- und Industriegeschichte erfolgt war. Herr Karl Kraussoldt hatte die städtischen Gremien bereits zu Beginn der siebziger Jahre darauf hingewiesen, dass das stattliche Fachwerkhaus südlich der Inselstraße mit der Nummer 5 sich vortrefflich für die Unterbringung erhaltenswerter Zeugnisse aus Iserlohns Wirtschaftsgeschichte eignen würde. Es wurde daraufhin im Januar 1979 von der Stadt erworben, jedoch nicht dem zunächst gedachten Ankaufszweck zugeführt, sondern für die Unterbringung mittelloser Familien genutzt, die aus Jugoslawien und der Türkei zugezogen waren und dringend Wohnraum benötigten.
Ein unter Denkmalschutz stehendes Haus wird ein Museum.
Das heutige "Museum für Handwerk und Postgeschichte" konnte vom Förderkreis Iserlohner Museen e.V. im Jahre 1995 käuflich erworben werden. Nach schwierigen und langwierigen Verhandlungen mit den darin angeblich nur "vorübergehend untergebrachten Mietparteien" gelang es, im Jahre 1997 mit den Umbauarbeiten zu beginnen. Zunächst musste das Haus entrümpelt und von unberechtigt ausgeführten Einbauten befreit werden. Die steile Holztreppe im altersschwachen Stiegenhaus wurde durch eine bequeme Stahlbetontreppe ersetzt, der Kellerboden nach notwendigen Kanalarbeiten und Verlegen neuer Versorgungsleitungen tiefer gelegt, das morsche Fachwerkgefüge teilweise ergänzt und danach das ganze Gebäude mit seinen 28 Räumen mit neuer Zentralheizung, zeitgemäßer Elektrik- und Sanitärausstattung sowie neuen Fußbodenbelägen ausgestattet.
Verfremdende Ein- und Anbauten wurden entfernt, um dem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude innen wie außen ein würdiges Aussehen zu verschaffen. Ohne irgendwelche öffentlichen Mittel oder Förderungen oder auch Hypotheken in Anspruch zu nehmen, gelang es dem Förderkreis, aus eigenen Reihen 481.715 DM für die Wiederherstellung der ansehnlichen Bausubstanz und die Ersteinrichtung als Museum bis zum Jahre 1999 bereitzustellen.
Weitere notwendige Renovierungen – beispielsweise der gesamten Dachkonstruktion und –deckung konnten mit Hilfe der Nordrhein-Westfalen-Stiftung und einer Beihilfe der Stadt Iserlohn in den Jahren 2000/2001 erfolgen. Durch tatkräftigen Eigenhilfeeinsatz der aktiven Mitglieder und beispielhafte Leistungen des örtlichen Handwerks (insbesondere des Berufsbildungszentrums der Kreishandwerkerschaft – BBZ – und verschiedener Handwerksinnungen) gelang es, bis zum Juni 2002 auch die Kellerräume ansprechend auszubauen und herzurichten. Der Gesamtaufwand an finanziellen Mitteln zum Erhalt des denkmalgeschützten Hauses stellt sich - den unentgeltlichen Arbeitseinsatz der Mitglieder nicht erfassend – auf nunmehr rund 925.000 DM, wovon 155.000 DM aus öffentlichen Haushalten bzw. Stiftungen stammen.
Dieses Fachwerkhaus mit seinem hohem Untergeschoß aus Bruchstein und dem inzwischen voll ausgebauten Mansardendach am Fritz-Kühn-Platz kann selbst auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Ursprünglich war es im Jahre 1819 nach Plänen des in Hemer wohnenden Bau- und Zimmermeisters Johann Hermann Stindt als Doppelhaus am Schleddenhofer Weg errichtet worden, um den Familien leitender Bergwerksfachkräfte als Wohnhaus zu dienen. Die an der Spitze der damaligen Messing-Gewerkschaft stehenden Vorstandsmitgliedern Löbbecke, Basse und Schrimpf hatten dessen Bau angeordnet für die Familien des neu einzustellenden Zechenbetriebsleiters des Bergwerks "Stahlschmiede" und seinen für Pumpenbetrieb und Wetterverhältnisse verantwortlichen Inspektor.
Nachlassende Erzförderung und schwierige Transport- und Entwässerungsverhältnisse in den Galmeigruben führten aber etwa 18 Jahre später zu Mißerfolgen der den Bergbau in Iserlohn seit Mitte des 18 Jahrhunderts betreibenden Messing-Gewerkschaft. Sie verkaufte das Gebäude an den Iserlohner Unternehmer Franz Maste "auf Abbruch". Dieser ließ es dann auf seinem Grundstück am "Alten Friedhof" neben der Bauernkirche wieder aufbauen, und zwar nun mit geräumigem Dach über einem hohen Kellergeschoß aus Bruchsteinmauerwerk.
Bekannt als "Iserlohner Fabrikenhaus"
Jahrzehnte hindurch diente es der Firma Gebrüder Maste als Lager- und Betriebsgebäude für deren Messing- und Bronzewarenerzeugnisse. Sie wurden vorwiegend von der Firma Dunker & Maste in Barendorf hergestellt. So erhielt es im Volksmund die Bezeichnung "Maste`sches Fabrikenhaus". Zeitweise wirkten hier bis zu 8 Meister mit 25 weiteren Kräften einschließlich der Lehrjungen, um die zum Vertrieb in die ganze Welt bestimmten Maste`schen Messing- und Bronzewaren zusammenzusetzen und blank zu wienern. Danach wurden sie unter Zukauf von Handelswaren anderer Fabrikanten poliert und verkaufsgerecht verpackt und so für den Export fertig gemacht. Diese Tätigkeiten nannte man hierzulande auch "reiden". Die Handel treibenden Fabrikherren mit größtenteils eigenen Fertigungsstätten wurden deshalb als "Reidemeister" bezeichnet.
Das Handelshaus Maste konnte allerdings seine bis etwa 1845 beherrschende Stellung wegen der weit billiger angebotenen englischen Erzeugnisse nicht halten. Politische Unruhen, die 1849 zur denkwürdigen "Iserlohner Revolution" führten, zwangen die Familie Maste, ihr bisher betrieblich genutztes Gebäude Wohnzwecken zuzuführen und es schließlich zu verkaufen. Nach den neuen Besitzern, den Familien Schleimer und später Heer, wurde das Gebäude bis zum 1. Weltkrieg auch als "Schleimersches", und danach als "Heersches Haus" bezeichnet.
In den letzten Jahren hat dieses Haus als "Museum für Handwerk und Postgeschichte" viele neue Freunde gewinnen können. Die darin untergebrachten Sammlungen und die in seinen Räumen den tagenden Gemeinschaften (Heimatfreunde, Briefmarken-Sammelverein Iserlohn, Philateristischer Jugendkreis sowie der Stadthistorische Arbeitskreis) lassen erwarten, es künftig als Museum bezeichnet wird, so dass bald vom sogenannten "Masteschen Fabrikenhaus" kaum noch die Rede sein wird.
Dank für vielfältigen ehrenamtlichen Einsatz:
Als unentwegt leistungsfähiger Motor wirkte bei Erwerb, Planung, Um- und Ausbau sowie Finanzierung und Einrichtung des "Museums für Handwerk und Postgeschichte" der bekannte Iserlohner Architekt, Heimatforscher und Schriftsteller Dipl.-Ing. Ernst Dossmann.
Die mustergültige Präsentation und Erweiterung der postgeschichtlichen Sammlung sowie deren ständige Pflege besorgen Herr Reinhard Frohne und dessen unermüdlich einsatzbereite Ehefrau Gerda.
Die handwerksgeschichtlichen Sammlungen beschaffte Herr Dr. Hanswerner Hildenbrand, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Iserlohn, mit viel Mühe und großen Erfolg. Er hat sich seit Gründung unseres Förderkreises auch als Leiter unserer Schriftenreihe bewährt. Die museumstechnische Aufbereitung des reichhaltigen Ausstellungsgutes ist z. Zt. noch im Gange. Fachkundige Beratung gab Herr Dr. Lindhoff, Museumsleiter aus dem schönen 34466 Wolfhagen.
Fast täglich bemüht sich der seit 1986 amtierende 1. Vorsitzende des Förderkreises Iserlohner Museen, Herr Klaus Rainer Sprenger, um Pflege und weiteren Ausbau des Gebäudes wie auch um die Ergänzung der Sammlungen.
Unterstützt wird er von seinen Vorstandskollegen, den Mitgliedern des Beirates und einer wachsenden Zahl hochherziger Spender.
Stellvertretend für viele andere, die sich um das Museum verdient gemacht haben, seien weiterhin genannt:
Karl Althöfer, Dr. Wilhelm Bleicher, Dieter Brunstein, Renate und Rolf Brunswicker, Alfons Christophery, Dr. Gösta Dahmen, Maria Dahmen, Gustav Dieter Edelhoff, Irmgard Giebel, Marlies Gorki, Franz-Josef Hohmann, Hermann Holtmeier, Werner Isenberg, Christa und Dieter Jünger, Günther Kingreen, Heinz Knipp, Dr. Christoph Krämer, Olaf Kramer, Walter Montanus, Heinz Pullig, Werner Rittinghaus, Werner Sander, Heidemarie und Andreas Schlemmer, Wilhelm Schönenberg, Heidi Sprenger, Werner Thiel-Siling, Udo Wiedemeyer und Horst Wilhelm.
Ehrendes Gedenken
Unvergessen bleibt der tatkräftige Einsatz der leider viel zu früh in die Ewigkeit abberufenen, stets aktiven Heimat- und Museumsfreunde.
Heinz Halank –Er war der eifrige Begründer der postgeschichtlichen Sammlung des Förderkreises und Nestor der Iserlohner Briefmarken-Jugend.
Max Bals -Er war ein erfolgreicher Förderer der Iserlohner Philatelisten.
Ewald Giebel – Ehrenmitglied des FIM, ein erfolgreicher heimatbewußter und spendenfreudiger Industrieller.
Anni Engels – Ehrenmitglied des FIM und erfolgreiche Spendensammlerin.
Ihr tatkräftiger Einsatz innerhalb unseres Föderkreises zur Dokumentation der postgeschichtlichen Bedeutung Iserlohns und für die Darstellung der Entwicklung des Handwerks in dieser einstmals bedeutendsten Gewerbestadt Südwestfalens bleibt unvergessen.
Wir Lebenden fühlen uns verpflichtet, in ihrem Sinne weiter zu wirken, um Heimatliebe für unsere Stadt zu wecken und Heimatbewußtsein auch in Zukunft wach zu halten.
Wer gleichen Sinnes ist und sich für Mitgliedschaft oder Mitarbeit im Förderkreis Iserlohns Museens e.V. interessiert, ist jederzeit herzlich Willkommen!
Informationen erteilen: Frau Marlis Gorki, Frau Ilona Höche